Spaziergang entlang der Stadtmauer
Der Augsburger Geschichte auf der Spur

Spaziergang entlang der Stadtmauer

Berühmte Krieger waren wir Augsburger zwar nicht, aber dafür geschickte Kaufleute und Handwerker – und unsere Vorfahren wussten um den Schutz von Stadtmauern, Gräben und Wällen. Viel ist von der einst imposanten Anlage um die Innenstadt leider nicht übriggeblieben, schätzungsweise gerade einmal 20 Prozent. Aber tolle Zeugnisse von einst sind sie dennoch und immer einen Spaziergang wert.

Startpunkt ist das Fischertor, welches früher als Nebeneinlass in die Stadt diente. Das Torhaus in seiner heutigen Form stammt aus dem Jahr 1925 und ersetzte das alte, lange verschlossene Stadttor. Links vom Tor, wenn ihr stadteinwärts schaut, führt ein Weg auf die Stadtmauer hinauf. Auf dem Weg in Richtung Lueginsland, eine bis heute erhaltene Festungsanlage, kommt ihr an einer böse blickenden Holzskulptur vorbei, eine Erinnerung daran, dass sich hier einst der Hexenbrunnen befand. Wegen Hexerei verurteilte Frauen bekamen auf ihrem Weg zum Henker hier ein letztes Mal zu trinken. Definitiv bekömmlicher trinkt man heute von Mai bis Oktober im Biergarten Luginsland auf der ehemaligen Bastion. Hier sitzt man gemütlich unter den großen Kastanienbäumen und kann einen großartigen Blick über die östlichen Vorstädte und die Maschinenbau- und Papierfabriken genießen.

Klein, aber fein: das St. Gallus-Kirchlein

Nicht weit von hier, wenn ihr die über den Stephingerberg weiter geht, steht die wahrscheinlich älteste heute noch erhaltene Kirche Augsburgs, die Galluskirche. Die kleine, sehenswerte Kirche selbst ist nur am Sonntagvormittag zu besichtigen. Über die Schwedenstiege solltet ihr jetzt auf die Außenseite der Stadtmauer wechseln, damit ihr die Nase des Steinernen Mannes (D’Stoinerne Ma) berühren könnt. Es soll nämlich Glück bringen.

Folgt ihr dem Weg von hier hinunter zum Unteren Graben, erreicht ihr die Bert-Brecht-Straße und den Äußeren Stadtgraben. Letzterer zieht sich um die gesamte Jakobervorstadt bis hin zum Roten Tor. Hier in der Bert-Brecht-Straße stößt man auf das dritte Elternhaus des Schriftstellers, in dem er fast seine gesamte Kindheit und Jugend verbracht hatte. Direkt gegenüber befindet sich der Oblatterwall, eine weitere Bastion der ehemaligen Stadtbefestigung, die glücklicherweise nicht der Stadterweiterung oder dem Straßenbau zum Opfer fiel. Dieser romantische Ort zwischen Stadtmauer, Stadtgraben und Kastanienallee ist die Heimat der Augsburger Kahnfahrt. Hier könnt ihr rudern oder einfach nur gemütlich sitzen und die Idylle genießen. Auch im Winter sitzt man im Restaurant zur Kahnfahrt in sehr uriger Atmosphäre.

Nach dem Oblatterwall geht es am Wasserturm am Gänsebühl und den Fünfgratturm (auch „Fünffingerlesturm“ genannt) vorbei, bevor ihr das Jakobertor erreicht. Es folgt ein ca. ein Kilometer langes Stück Stadtmauer, das bis zum Vogeltor geht und wo euch im Frühjahr und im Herbst ein ganz besonderes Einkaufserlebnis unter freiem Himmel erwartet: die Augsburger Dult. Wenn gerade keine Dult ist und ihr nicht eure spontanen Einkäufe heimbringen wollt, dann könnt ihr jetzt noch vom Vogeltor an der Schwibbogenmauer entlang zum Roten Tor gehen und euch von eurem Spaziergang beim Essen im nebenan gelegenen Murdock’s Irish Pub erholen.

Der Fünfgratturm, ein ehemaliger Wehrturm der Stadtbefestigung