Brecht für alle
14. bis 23. Februar 2020

Brecht für alle

Zu Ehren des gebürtigen Augsburgers Bertolt Brecht findet auch 2020 vom 14. bis 23. Februar das Brechtfestival der Stadt Augsburg statt. Unter dem Motto „Er ist vernünftig, jeder versteht ihn“ erwarten euch zahlreiche Veranstaltungen. Im Zentrum des Programms stehen dabei zwei Spektakelereignisse. Der Martini-Park wird zum Brecht-Jahrmarkt mit vielen Bühnen und insgesamt über 20 Beiträgen.

Spektakel Vol. 1 am 14. Februar

Zum Start des Brechtfestivals 2020 erwartet euch ein Spektakel der besonderen Art. Die konzertante Live-Aufführung von Müllers Text „Wolokolamsker Chaussee. Teil 3. Das Duell“ mit den Herren des Opernchores des Staatstheaters Augsburg ist eine Weltpremiere. Die Damen des Chores präsentieren indes Hanns Eislers „Woodbury Liederbüchlein“.

Corinna Harfouch performt mit der Band Die Tentakel von Delphi Brechts Exilgedichte. Das Stück „klassenkampf“ von Lothar Trolle, eine Eigenproduktion des Staatstheaters Augsburg, schließt daran an.

David Bowie, The Doors, Nina Hagen: Die „Mini Playbrecht-Show“ versammelt sie alle und lässt Songs von Brecht, Weill, Eisler und Dessau durch Coverversionen späterer Künstlergenerationen auferstehen.

Ein Generationenübergreifendes Projekt präsentiert das Gymnasium bei St. Stephan. Die Schüler*innen studieren gemeinsam „Der Jasager“ ein, die Eltern antworten mit „Der Neinsager“.

Zwei Spektakel-Ereignisse stehen im Zentrum des Programms. Der martini-Park wird zum Brecht Jahrmarkt mit vielen Bühnen und über 20 Beiträgen.

„Er ist vernünftig, jeder versteht ihn.“
Bertolt Brecht

Spektakel Vol. 2 am 22. Februar

Spektakel Vol. 2 bietet ebenfalls ein vielfältiges Programm mit prominenten Gästen. So riskiert Charly Hübner mit musikalischer Begleitung einen frischen Blick auf die Kantate „Herrenburger Bericht“ von Bertolt Brecht und Paul Dessau. Lars Eidinger nimmt einen tiefen Atemzug vom wilden Brecht und bringt die „Hauspostille“ als radikal funkelndes Gesamtkunstwerk auf die Bühne. Und Milan Peschel wendet sich dem Polarisierenden in Brechts Kosmos zu. Er spannt mit „Brecht Böse“ den Bogen vom Baal zum Fatzer über die rote Fahne des Kommunismus.

Festivalleiter Jürgen Kuttner bringt außerdem seine sogenannten Videoschnipselvorträge mit nach Augsburg: „Die Erkenntnis kann an einem anderen Ort gefunden werden, als wo sie gebraucht wird“.

Kathrin Angerer ist gemeinsam mit der Berliner Band Goshawk in Augsburg zu Gast und präsentiert Brechts „Kriegsfibel“. Das Werk, das sie gemeinsam bearbeiten, ist historisch und doch hochaktuell. Die Songs sind vierzehn Arten, den Krieg zu beschreiben.

Lange Brechtnacht

In diesem Jahr konzentriert sich die Lange Brechtnacht am 15. Februar erstmals auf ausschließlich einen Ort: Den Kongress am Park. Ein halbes Jahrhundert nach dem Sputnik-Schock und dem anschließenden Wettlauf zum Mond erinnet sie an eine Zeit, in der der politische Gegensatz von Ost und West die Menschheit beinahe ausradiert hätte – und feiern, dass es dann doch anders kam.

Spannung und Zerrissenheit, Skepsis und Lebensfreude – sie waren auch in den Kompositionen von Brechts musikalischen Gefährten Hanns Eisler, Kurt Weill und Paul Dessau omnipräsent. Sie wollten die Menschen für die Widersprüche der Gesellschaft senisbilisieren. Die zeitgenössische Popkultur fußt auf den musikalischen Entwicklungen dieser Zeit.

Auf drei Bühnen spielen The Notwist, Fatoni, Gisbert zu Knyphausen, Voodoo Jürgens, Shari Vati und Banda Internationale feat. Bernadette La Hengst. Exklusiv für das Brechtfestival formiert sich die Band The Cold War mit unterschiedlichen Augsburger Künstler*innen.

The Notwist sind an der Langen Brechtnacht zu Gast im Kongress am Park.

Brecht schrieb ab 1943 das Drama Schweyk im Zweiten Weltkrieg.

Theater

Im Rahmen des Eröffnungsabends am 14. Februar gibt es auf der Bühne im martini-Park ein Gastspiel des Schauspiels Hannover. Heiner Müllers „Der Auftrag“ schreibt Brechts Anspruch an ein gesellschaftlich relevantes Theater fort und schließt sich mit Brechts epischer Spielweise kurz.

Ebenfalls erwartet euch eine Uraufführung des Staatstheaters Augsburg am 21. Februar. „Svejk / Schwejk!“ ist in mehrsprachiger Zusammenarbeit mit den Städtischen Bühnen Prag unter der Regie von Armin Petras entstanden.

Eine weitere, transnationale Ost-West-Zusammenarbeit ist die „Lehrstückzentrale“. Die Augsburger Theaterensembles Theter und Bluespots Production arbeiten mittels moderner Kommunikationstechnik über tausende Kilometer hinweg zwischen New York, Augsburg und St. Petersburg an Brecht- und Müller-Texten.

Weitere Veranstaltungen

Mit „Kosmos Heiner Müller“ präsentiert das Festival vom 18. Bis 21. Februar eine Reihe ausgewählter Hörspiele im S-Planetarium.

Außerdem erwartet euch im Liliom die Filmreihe „Von Hollywood nach Buckow“. Sie zeigt Brecht als Drehbuchautor, Regisseur und Protagonist eines fiktionalisierten Künstlerporträts.

Ihre 2015er Inszenierung „Eisler on the Beach“ vom Deutschen Theater Berlin verdichten die Regisseure Tom Kühnel und Jürgen Kuttner exklusiv für das Brechtfestival zu dem Liederabend „Eisler: Wir, so gut es gelang, haben das Unsre getan“. Mit Maren Eggert, Ole Lagerpusch und der Bolschewistischen Kurkapelle Schwarz-Rot geht das Brechtfestival 2020 zu Ende.

„Mir scheint, ich bin vorläufig. Aber was läuft nach?“
Bertolt Brecht

Wichtige Informationen

Programm

Das vollständige Programm findet ihr hier.

Kartenvorverkauf

Nutzt den Online-Kartenvorverkauf unter www.brechtfestival.de.

Vorverkaufsstellen:

Einige Veranstalter können aus organisatorischen Gründen im Vorverkauf keine Karten am Rathausplatz anbieten.

Ermäßigter Eintritt:

  • Schüler, Studenten, Schwerbehinderte, Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger, Teilnehmer am Bundesfreiwilligendienst, am Freiwilligen Sozialen Jahr oder am Freiwilligen Ökologischen Jahr und für freiwillig Wehrdienstleistende.
  • Inhaber des Kultursozialtickets
  • Inhaber der swa City App (0,50 €)
Bildnachweise

Header + Key Visuals: Brechtfestival Augsburg

Notwist: Patrick Morarescu

Schwejk: Jan-Pieter Fuhr